Pressekritiken
Musik für ein Leben nach der Reaktor-Katastrophe
Chor und Philharmonie stellen Aufführung des Requiems in den Dienst der guten Sache
Siegen. (wp) Im Rahmen der bundesweiten Aktion „Musik für ein Leben nach Tschernobyl“, führten der Bach-Chor Siegen und die Philharmonie Südwestfalen am Sonntagabend Brahms‘ Requiem auf, um mit dem Erlös die Hilfe für die Tschernobyl-Opfer zu unterstützen.
Zahlreiche Ensembles haben es sich an diesen Tag in Deutschland zur Aufgabe gemacht, um mit Gedenk- und Benefizkonzerten den 20. Jahrestag der Katastrophe in der Ukraine zu erinnern. In der Siegerland wurde das große Chorwerk von Johannes Brahms „Ein Deutsches Requiem“ in den Dienst der guten Sache gestellt. Das Requiem, das sich intensiv mit der Gefährdung und Endlichkeit aller Menschen auseinandersetzt, hat die Gewalt Dürerscher Holzschnitte. Das von konfessionellen Dogmen freie Brahms-Werk lag bei dem Bach-Chor Siegen und Philharmonie Südwestfalen in guten Händen. Unter der Leitung von Ulrich Stötzel geriet die nach Worten der Bibel für Soli, Chor und Orchester geschriebene Komposition zu einem Höhepunkt in der Geschichte der Oratorienaufführungen in Siegen. Ob tief empfundener Trauergesang oder Totenklage, der im letzten Teil in eine verklärte Friedensstimmung mündete, zeigten sich die Stimmen des Bach-Chors dem bedeutenden Brahms-Werk gewachsen. Die Solisten, die Sopranistin Anja Eichhorn und der Bass Franz Gerihsen, setzten mit ihren dramatischen Soli Glanzpunkte in dem machtvollen Requiem.
Ergreifend war das Spiel der Philharmonie, die insbesondere dem erschütternden Trauermarsch im zweiten Teil Dramatik und Pomp verliehen.
Helmut Blecher, Westfalenpost, 14. März 2006
